Hypnose Geschichte
Wirkung Anwendung

Die Hypnose wurde in den deutschsprachigen Ländern lange ignoriert, ganz im Gegensatz zum Rest der Welt. Dies hat geschichtliche Gründe und ist um so bedauerlicher, da gerade in Europa die Hypnose eine lange Tradition als Heilverfahren hat.
Weltweit wird die Hypnose seit ein paar tausend Jahren eingesetzt. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Hypnose wohl so alt ist wie die Menschheit selbst.
Laut uralten Keilschriften der Sumerer (älteste bekannteste Kultur, ca. 6000 Jahre v. Chr.) wurde die Hypnose von Priestern als Heilverfahren für die unterschiedlichsten Krankheiten genutzt.
2000 Jahre vor Christi Geburt haben Fakire und Yogis bereits hinduistische Meditationspraktiken angewandt. Zum Beispiel hat Yoga in der Induktion und im Zielzustand starke Ähnlichkeit mit der Hypnose.
Aus ca. 1500 v. Chr. stammt das Papyrus Eber aus dem antiken Ägypten. Es gilt als ältestes schriftliches Zeugnis, auch für hypnotische Induktionstexte (Edmonston, 1986).
Etwa 500 v. Chr. wurde der Tempelschlaf aus Ägypten und Griechenland als rituelle Induktion des Orakels genutzt . Dieser Tempelschlaf diente neben der Heilung auch hellseherischen Zwecken (Weinreich, 1909).
Die keltischen Druiden verwendeten Gesänge, um Medien in hellseherische Träumen zu versetzen.
Jesus und seine Jünger heilten mittels Handauflegen, häufig verbunden mit der Augenfixation.
Im Mittelalter wurde in Massenzeremonien durch kirchliche und weltliche Persönlichkeiten ähnlich verfahren. Von den ersten Anfängen an, bis hin ins Mittelalter, wurden die Heilwirkungen unter hypnotischen Zuständen einer übermenschlichen Kraft zugeordnet.
Aus dieser langen Tradition wird deutlich, dass es schon immer möglich war Menschen im Denken und bei ihren körperlichern Reaktionen zu beeinflussen und dadurch Heilung zu erlangen. Der Arzt Bombastus von Hohenheim (1493-1541), besser bekannt als Paracelsus, nutzte die heilende Wirkung der positiven Suggestion. Damals schon sah Paracelsus den "inneren Arzt" als den besseren Arzt an.
Aber erst mit Franz Anton Mesmer (1734-1815) wird der Hypnose endgültig der mystisch-religiöse Nimbus genommen. Mesmer erklärte z.B. die exorzistischen Heilungen des Paters Gassner als natürlich. Damit setzte dann die zweite Ära ein. Die Hypnose wurde fortan als natürliche Kraft gedeutet, aber immer noch außerhalb des Menschen lokalisiert. Mesmer bezeichnete seine Behandlungstechniken (Streichungen) als Magnetisierung, die Mesmer später sogar als animalisch charakterisierte. Mesmers Versuch, die Hypnose durch die Akademie der Wissenschaften in Paris (1784) zu etablieren, misslang. Da Messmer seine Behandlungen oft in Gruppen durchführte, können wir ihn als ersten Gruppenpsychotherapeut ansehen.
Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts (Beginn der dritten Hypnose-Ära) wurde die Annahme einer externen Kraft fallen gelassen. Dennoch galt die Hypnose, so zum erstenmal benannt von James Braid (1795-1860), als abnormes Phänomen. Braid ging von physiologischen Veränderungen aus. Er bezeichnete sie zunächst als Schlaf ("Hypnose"), der durch die Eintönigkeit der Fixation herbeigeführt wird (Braid, 1843) .
In England und Schottland wird die Hypnose in dieser Zeit erfolgreich zur Betäubung bei Operationen eingesetzt. James Esdaile (1808-1859) beschrieb viele schmerzfrei durchgeführte und gut verheilende Amputationen unter Hypnose (Esdaile, 1851) . Die Hypnose als Betäubung wurde mit der Einführung der schnellwirkenden Betäubungsmittel Äther, Chloroform und Lachgas um 1850 abgelöst.
Von dem Neurologen Jean Martin Charcot (1825-1893) und seinen Schülern Pierre Janet (1859-1947) und Sigmund Freud (1856-1939), wurde die Hypnose Ende des Jahrhunderts als psychiatrisches Phänomen wieder hervorgeholt. Charcot betrachtete den hypnotischen Zustand als künstliche Neurose.
Seit Ende des letztes Jahrhunderts (Beginn der vierten Ära) wurde die Hypnose von Ambroise Auguste Liebeault (1823-1904) und Hippolyte Bernheim (1840-1919) in Nancy als auf Suggestion beruhendes normalpsychologisches Phänomen erkannt. Dies entspricht auch weitgehend der modernen Auffassung der Hypnose. Vorausgesetzt wurde die Fähigkeit, die Suggestionen zu verinnerlichen und in lebhafte Vorstellung umzusetzen (Bernheim, 1888). Diese moderne Interpretation der Hypnose grenzt sich nun deutlich von der älteren Auffassung einer spirituellen Einwirkung in der Antike, von äußerlichen magnetischen Einflüssen wie Mesmer sie sah, oder von psychologischen Veränderungen nach Braid ab.
Die Tradition der beiden französischen Schulen (Charcot in Paris und Bernheim in Nancy) wurde im deutschsprachigen Raum von zahlreichen bekannten Psychiatern und Neurologen weitergeführt. In Zürich von Auguste Forel (1848-1930) und dessen Nachfolger Eugen Bleuler (1857-1939), von Moritz Benedikt (1835-1920) und seinen Nachfolgern Richard von Krafft-Ebing (1840-1903), Julius Wagner-Jauregg (1957-1940) und später Hoff und Berner in Wien; in Jena von Heidenheim (1843-1897), dessen Schüler Pavlow (1849-1936) und Vogt (1870-1959) waren. Vogt gründete später in Berlin ein eigenes Institut, und führte u.a. die Fraktionierungsmethode ein. Freud interessierte sich sowohl für die Auffassung von Charcot, wie auch der von Bernheim, verwarf die Hypnose später jedoch wieder, weil er sie nicht für zuverlässig genug hielt. Vermutlich hat er so zum Rückgang dieses Verfahrens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beigetragen.
Die Hypnose lebte als Heilverfahren erst wieder in Form des autogenen Trainings (Schultz, 1932) und als gestufte Aktivhypnose (Kretschmer, 1946) auf. Allerdings entwickelte sich seit den dreißiger Jahren an den Universitäten eine experimentelle Hypnoseforschung, die sich mit der Standardisierung der Phänomene und der psychometrischen Erfassung der Suggestibilität befasst (Hilgard, 1965; Hull, 1933; Weitzenhoffer, 1957) . In neuerer Zeit sind besonders die Notwendigkeit formeller Induktion und die spezifische Qualität des durch Hypnose herbeigeführten Zustandes durch Autoren wie Sarbin (1956), Barber (1984) und Spanos (1986) experimentell untersucht worden. Diese Autoren betonen den sozialpsychologischen Aspekt der Kooperation bei den hypnotischen Phänomenen. Autoren wie Orne (1972) oder Hilgard (1986) dagegen versuchen, die These vom hypnotischen Sonderzustand experimentell zu stützen.
Schon nach dem Ersten Weltkrieg versuchte man Hypnose zur Behebung funktioneller Störungen, amnestischer Erscheinungen und posttraumatischer Neurosen zu verwenden.
Seit etwa 1950 gewinnt die Hypnose nun zunehmend an klinischer Bedeutung, indem sie bei Verhaltensproblemen, Neurosen und psychosomatischen Erkrankungen und in der Medizin erfolgreich angewendet wird. Einen wesentlichen Anteil hieran hatte Milton Erickson (1901-1980), der eine ungeheure Vielfalt von hypnotischen und damit verknüpften psychotherapeutischen Vorgehensweisen in den unterschiedlichsten klinischen Bereichen einführte.
Milton Erickson gründete die American Society of Clinical Hypnosis (ASCH) und das international führende Journal auf diesem Gebiet (American Journal of Clinical Hypnosis). Die von ihm entwickelte Hypnotherapie ist von zahlreichen Autoren aufgegriffen worden. Diese durch Erickson eingeleitet Erneuerung stellt quasi die fünfte Ära der Hypnose dar, die Hypnotherapie.
Wie aus der vorgenannten Darstellung ersichtlich, bemüht man sich in Europa schon fast 200 Jahre um eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Hypnose. In den letzten Jahrzehnten wurde viel Grundlagenforschung betrieben. Klinische Heilverfahren sind immer mehr im kommen. Leider fand diese Entwicklung vor allem in den den angloamerikanischen Ländern statt. Erst langsam fließen diese Erkenntnisse jetzt zunehmend wieder in Europa ein